Google experimentiert mit der Verwendung von künstlicher Intelligenz, um die Titel von Artikeln automatisch in den Suchergebnissen neu zu schreiben. Diese Anwendung ist prinzipiell nicht neu, geht jedoch in eine neue Phase und beunruhigt die Verleger.
Aufmerksamkeit erregende Punkte:
- Google testet aktiv die Neuschreibung von Titeln mit künstlicher Intelligenz in der Suchmaschine (nicht nur in Discover). Derzeit geschieht dies in einem begrenzten Umfang.
- Die erzeugten Titel können nicht nur verkürzt werden, sondern auch den Ton, die Absicht oder die ursprüngliche Bedeutung verändern.
- Das ist nicht das erste Mal: 2021 schrieb Google bereits 76 % der Titel-Tags neu. Künstliche Intelligenz stellt eine neue Phase in dieser Logik dar.
- Verleger und SEO-Profis sind besorgt über die Auswirkungen auf die Markenstimme, die Glaubwürdigkeit und die Klickraten.
Google hat bestätigt, dass es die automatische Erstellung von Titeln in den klassischen Suchergebnissen testet. Diese Information, die von The Verge aufgebracht wurde, hat in der SEO-Community und unter Verlegern große Aufregung ausgelöst. Allerdings wird diese Entwicklung als Teil eines bereits begonnenen Trends betrachtet.
Eine alte Praxis, ein neuer Naturwandel
Google verändert seit Jahren die in den Suchergebnissen angezeigten Titel. 2021 gab die Suchmaschine zu, dass sie automatisch ihre eigenen "Titel-Links" erzeugt; dies sind klickbare Titel in den SERPs und beschränkt sich nicht auf die Wiederverwendung des
Was sich heute ändert, ist die verwendete Technologie. Google verwendet jetzt künstliche Intelligenz zur Erstellung dieser Titel und ist nicht mehr nur auf eine einfache algorithmische Logik beschränkt, die zwischen vorhandenen Seitenelementen auswählt.
Google nutzt viele Quellen, um automatisch einen Titel festzulegen: das
-Tags, Open Graph-Metadaten, fettgedruckte oder hervorgehobene Texte, Ankertexte interner und externer Links sowie strukturierte Daten der Website.
Konkrete Ergebnisse der Tests
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Probleme gut: Der ursprüngliche Titel "Ich habe das 'Cheat in Everything'-AI-Tool verwendet, und es hat mir nicht geholfen, in irgendetwas zu schummeln" wurde von Google auf "'Cheat in Everything'-AI-Tool." verkürzt. Das Ergebnis ist kürzer, aber der vom Journalisten gewählte Ton, der Humor und die gesamte redaktionelle Perspektive sind völlig verschwunden.
Das ist nicht unwichtig. Ein Titel ist nicht nur ein Etikett: Er ist ein redaktionelles Signal, ein Positionierungsinstrument und oft das einzige Hebel, das ein Verleger hat, um in einem sehr kurzen Sichtbarkeitsfenster einen Klick zu erzielen.
Google gibt an, dass das Ziel darin besteht, die Titel besser mit den Anfragen der Nutzer abzugleichen und die Interaktion zu erhöhen. Der Test wird derzeit als "klein" und "begrenzt" beschrieben und betrifft hauptsächlich Nachrichtenseiten, ist aber nicht darauf beschränkt.
Verleger verlieren ihre Stimmen
Die Reaktion der Branchenprofis ist eindeutig. Sean Hollister, Senior Writer bei The Verge, verglich diese Praxis mit dem Abziehen von Buchcovern in einer Buchhandlung und dem Ersetzen durch andere Cover. Seiner Meinung nach sollten Verleger ihr Recht, ihre eigenen Arbeiten hervorzuheben, nicht aufgeben.
Louisa Frahm, SEO-Direktorin bei ESPN, betont, dass sie seit über zehn Jahren im Bereich SEO für die Presse arbeitet und sieht den Titel als zentrales Element, um die Aufmerksamkeit der Leser in sehr kurzen Zeiträumen zu gewinnen. Wenn dieser Titel sich ändert und die Fakten falsch dargestellt werden, wird das langfristig das Vertrauen der Leser gefährden.
Sollten wir uns wirklich Sorgen machen?
Diese Frage verdient es, gestellt zu werden. Einerseits sind die Bedenken professioneller Verleger, die ihre Titel sorgfältig erstellen, nachvollziehbar. Ein gut geschriebener Titel ist eine redaktionelle Arbeit, eine Markenidentität und ein Performance-Hebel.
Andererseits sollte man daran denken, dass Millionen von Webseiten einfach kein Titel-Tag haben oder ein sehr irrelevantes Titel-Tag tragen. In diesen Fällen könnte eine automatische Neuschreibung das Nutzererlebnis tatsächlich verbessern. Besorgniserregender ist jedoch die Tendenz. The Verge erinnert daran, dass nach einem "begrenzten Test" in Discover eine großangelegte Veröffentlichung stattfand. Wenn dieses Schema mit der Suche wiederholt wird, könnten Verleger die Kontrolle darüber verlieren, wie ihre Inhalte präsentiert werden, was genau in dem kritischsten Moment geschieht, in dem ein Nutzer entscheidet, ob er klickt oder nicht.
Kommentare
(7 Kommentare)